Aargau: Jeder Dritte besitzt eine Waffe

Der Aargau hat eine hohe Waffendichte: Eine Studie der Universität Zürich besagt, dass im Mittelland 32,9 Prozent der Haushalte eine registrierte Waffe besitzen. Eine erhöhte Gefahr soll deshalb aber nicht bestehen.

Am vergangenen Mittwoch schoss ein Aargauer in einem Restaurant in Oberentfelden um sich. Gleichentags erfolgte der Amoklauf in Daillon im Wallis. Der Umstand, dass gerade in diesen beiden Kantonen mit Waffen geschossen wurde, erstaunt nicht, wenn man eine Studie des Rechtswissenschaftlichen Institutes der Universität Zürich betrachtet. Bei der Studie kam heraus, dass im Mittelland (Erhebungen aus den Kantonen AG, SO und BL) 32,9 Prozent der Haushalte eine registrierte Schusswaffe besitzen, wie «Schweiz aktuell» berichtete. Der Kanton Wallis folgt mit 30,3 Prozent an zweiter Stelle. Doch weshalb besitzen so viele Aargauerinnen und Aargauer eine Waffe?

Viele Jäger und Sportschützen

Möglicherweise leben im Kanton viele Stellungspflichtige, die ihre Armeedienstwaffe zu Hause lagern. Oder es gibt viele Jäger, die berufshalber viele Waffen horten. «Der Aargauer Jagdschutzverein zählt derzeit 1240 Mitglieder», sagt Erich Schmid, Geschäftsführer des Vereins. Gesamtschweizerisch gehört der Aargau damit zu einem der grössten Verbände. Ausserdem gibt es mehr Sportschützen als in anderen Kantonen. Der Aargauer Schiesssportverband ist hinter Bern und Zürich der Drittgrösste im Lande.

«Vielleicht sind die Aargauer auch ehrlich und haben alle ihre Waffe bei der Umfrage angegeben», sagt Werner Häusermann, Präsident des Aargauer Schiesssportverbandes. Grundsätzlich sei es schwierig zu sagen, weshalb der Aargau so viele Waffen besitze. «Wir sind aber ein Kanton, wo der Schiesssport noch lebt», erklärt Häusermann. Auf Ende 2012 existierten im Kanton 287 Schiesssektionen. Dazu gehören Gewehre, Pistolen- und Kleinkaliberwaffen. «Insgesamt haben gegen 5500 aktive Sportschützen Lizenzen für ihren Sport», sagt Häusermann.

Schwarze Schafe gibt es immer

Doch er ist überzeugt, dass von den Sportschützen keine Gefahr ausgeht: «Das kann ich mit ruhigem Gewissen sagen.» Auch Bernhard Graser, Mediensprecher der Kantonspolizei Aargau, glaubt nicht, dass im Aargau mehr Gefahr für die Bevölkerung besteht, nur weil es hier mehr Waffenbesitzer gibt. «Die meisten Waffen befinden sich in verantwortungsvollem Besitz», so Graser.

Aber es gebe halt immer wieder schwarze Schafe. Und es sei fatal, wenn psychisch labile Personen Zugang zu Waffen hätten. Doch es sei sehr schwierig, diesen Umstand zu 100 Prozent zu unterbinden. «Bei schlimmen Verbrechen werden häufig Waffen verwendet, die nicht registriert sind. Das lässt sich nur schwer verhindern.» Das bestätigt Häusermann: «Wer eine Gewehr oder eine Pistole gebrauchen will, der kommt irgendwie immer zu einer Waffe.» Von Adrian Hunziker

Quelle: Aargauer Zeitung

8.1.2013