Aargauer Regierung verteidigt «Heim statt Pflegefamilie»

Regierungsgebäude Kanton Aargau

Regierungsgebäude Kanton Aargau

Bild ZVG Kanton Aargau

Im Frühling wurde bekannt, dass Flüchtlingskinder im Aargau vermehrt in Unterkünften statt in Pflegefamilien betreut werden sollen. Die Politik protestierte. Jetzt verteidigt die Regierung ihr Vorgehen.

Wenn ein Flüchtlingskind ohne seine eigene Familie in die Schweiz kommt und dann in einer Schweizer Familie aufwächst, dann gewöhnt es sich an unsere Kultur und wird besser integriert. Mit diesem Argument forderten EVP, SP und Grüne in einem Vorstoss, dass der «Platzierungsstopp» für unbegleitete minderjährige Asylbewerber (UMA) in Pflegefamilien rückgängig gemacht werde.

SRF hatte über den Entscheid des zuständigen Departements berichtet. Im Aargauer Kantonsparlament wurden danach insgesamt drei Vorstösse geschrieben. Die Regierung betont nun in ihren Antworten, dass es keinen eigentlichen «Platzierungsstopp» gebe. Man habe «einzig eine zurückhaltende Platzierung angeordnet».

Die Anordnung hat offenbar noch nicht sehr stark gewirkt: Ende 2016 waren rund 15,8 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Pflegefamilien untergebracht, in diesem Sommer sind es noch rund 15,1 Prozent (vgl. Tabelle).

Die Regierung will an ihrer Strategie festhalten. Man habe in der Zwischenzeit spezielle Unterkünfte für unbegleitete minderjährige Asylsuchende eingerichtet in Suhr und Menziken. Dazu werden jüngere UMA in einem Heim eines privaten Anbieters in Aarau betreut.

Betreuung von UMA in Pflegefamilien

Jahr

Anzahl UMA insgesamt

Anzahl UMA in Pflegefamilien

2014

73

1

2015

221

19

2016

253

40

2017 (31.7.)

178

27

Wie gut ist die Betreuung?

In diesen Unterkünften habe es rund um die Uhr Fachpersonal vor Ort. Zudem müssten die Flüchtlinge zum Beispiel im Haushalt helfen, würden in Deutsch unterrichtet und eingeschult. Damit könnten die Jugendlichen auch den Sprung in den Arbeitsmarkt schaffen, wenn sie denn in der Schweiz bleiben dürfen, glaubt die Regierung.

Kurz und gut: Der Regierungsrat stellt sich auf den Standpunkt, es brauche in vielen Fällen gar keine Pflegefamilien. «Grundsätzlich werden die UMA in den kantonalen Unterkünften genauso gut untergebracht und betreut wie in Pflegefamilien», heisst es wörtlich.

Allerdings sehen auch die Behörden offenbar durchaus Vorteile in Pflegefamilien. Es gilt nämlich weiterhin: Flüchtlingskinder unter 12 Jahren und «mit einer entsprechenden Indikation» werden bei Familien untergebracht.

900'000 Franken Sparpotential

Der Nachteil dieser Betreuungsform ist offensichtlich: Sie ist teuer. Ein UMA kostet gemäss den kantonalen Zahlen im Schnitt rund 3500 Franken, wenn er in einer kantonalen Unterkunft lebt. Knapp 4000 Franken sind es, wenn die jungen Flüchtlinge im privaten Heim in Aarau betreut werden.

Bei einer Pflegefamilie entstehen monatliche Kosten von rund 5250 Franken - inklusive der Kosten der privaten Platzierungsorganisationen.

«Der Kostenfaktor darf eine Rolle spielen», schreibt die Regierung. Nicht nur, weil der Kanton und insbesondere das Departement Gesundheit und Soziales sparen müssen, sondern auch, weil die Betreuung der unbegleiteten minderjährigen Asylbewerber «nicht von vornherein auf einen dauerhaften Verbleib in unserem Land ausgerichtet sein soll.»

So viel wird gespart

Insgesamt rechnet die Regierung im Jahr 2017 mit 900'000 Franken Einsparpotential durch den Verzicht auf Pflegefamilien. Das entspricht rund 1,35 Prozent des gesamten Asylbudgets im Aargau. Die Kosten im Asylbereich belaufen sich auf jährlich knapp 66,5 Millionen Franken.

Quelle: SRF

10.9.2017