Armeehilfe in Bondo – Lebensnotwendige Verbindungen

Die Spezialisten der Armee und des Zivilschutzes setzen sich mit grossem Engagement für die Sicherheit von Bondo ein. Die Gefahr im Bondasca-Tal ist nach wie vor nicht gebannt und verhindert, dass grössere Baustellen in Betrieb genommen werden können. Zurzeit wird Priorität auf die Überwachung des Gebietes sowie auf die Planung der Ressourcen und der Räumungsarbeiten gelegt. Auch Bundesrat Guy Parmelin, Chef des Eidgenössischen Departements für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport VBS, hat die lokalen Behörden und die im Bergell im Einsatz stehenden Truppen besucht.

150 Einwohnerinnen und Einwohner mussten aus Bondo, Sottoponte und Spino evakuiert werden. Drei Wochen nach dem Erdrutsch im Bergell wird das Tal immer noch auf mögliche Gefahren hin überwacht. Der Krisenstab der Gemeinde Bregaglia, unterstützt von Kanton und Bund, arbeitet ununterbrochen an der Planung der Aufräumarbeiten in dieser von einer Naturkatastrophe am 25. August schwer getroffenen Region. Noch immer liegt der Fokus auf der Überwachung, der Zugänglichkeit und der Wiederherstellung grundlegender Dienste wie Strom, Wasser und Telekommunikation.

Soldat Gregor Fischer, der seinen Wiederholungskurs bei der Gebirgsspezialistenabteilung 1 absolviert, ist während einer Woche mit einem weiteren Kollegen auf dem Beobachtungsposten bei der Sciora-Hütte (2120 m. ü. M.) eingesetzt. «Unsere Hauptaufgabe besteht darin, mögliche Erdrutsche zu entdecken und zu melden, damit sich im Tal unten alle in Sicherheit bringen können. Eine ruhige, aber wichtige Aufgabe als Ergänzung zu den elektrischen Alarmsystemen.»

Nebst den Wasser- und Stromleitungen wurden durch die nachträglichen Murgänge auch die Telekommunikationsleitungen in Mitleidenschaft gezogen. Deshalb ersuchten die Bündner Behörden am Freitagnachmittag, 1. September, um die dringende Einrichtung von militärischen Anschlüssen.

«Wir haben sofort die Truppe informiert und den für den Nachmittag vorgesehenen Urlaub aufgeschoben. Zu den dringlichsten Massnahmen gehörte die Problemerfassung, die schnelle Bereitstellung des technischen Materials und der persönliche Ausrüstung sowie die Planung der Verschiebung ins Einsatzgebiet», sagt Oberst Dominik Brasser, Chef Bereitschaft der Führungsunterstützungsbrigade 41. «Um 19.00 Uhr wurde der Einsatz bestätigt und am Samstagmorgen um 10.00 Uhr waren wir vor Ort. Um 16.55 Uhr waren alle zivilen Alarmsysteme verbunden: die Kameras, die Radargeräte zur Beobachtung der Murgänge, die Sensoren zur Messung des Wasserpegels. Die Führung der Kader war tadellos.»

Leutnant Basil Amrein, der Chef der drei von der Führungsunterstützungskompanie 104 betriebenen Posten, zieht eine erste Bilanz: «Wir mussten zwar unverhofft auf ein freies Wochenende verzichten, aber die Motivation untereinander ist sehr hoch. Wir freuen uns, eine lebenswichtige Leistung für die Sicherheit im Tal erbringen zu können. Mit einer Art Militärinternet stellen wir die Übertragung der für die Überwachung und den Alarm notwendigen Daten sicher. Die Dorfbewohner zeigen uns jeden Tag, wie sehr sie unsere Arbeit schätzen. Derzeit ist das Wetter günstig für Arbeiten draussen und im Gebirge, sowohl tagsüber als auch nachts. Allerdings kommt bald die Kälte und wir werden unsere Ausrüstung entsprechend anpassen müssen.»

Wachtmeister Micha Tenisch ist verantwortlich für die im Dorf eingerichtete Telematikzentrale. «Alle freuen sich, einen Ernsteinsatz leisten und unser Land unterstützen zu können. Seit dem 2. September führen und überwachen wir ununterbrochen das Übermittlungsnetz. Bislang funktioniert es einwandfrei. Die Zusammenarbeit mit den zivilen Partnern, den Spezialisten für das Alarmsystem und dem Zivilschutz ist ausgezeichnet.»

In Bondo ist auch ein Detachement der Zivilschutzkompanie Albula, unter dem Kommando von Major Gion Carla Dosch, im Einsatz. «Man muss sich nur einmal umsehen, um zu realisieren, wie schwierig die Situation ist. Vor allem für die betroffenen Einwohnerinnen und Einwohner ist es schlimm: Sie dürfen nur tagsüber und nur für kurze Zeit in ihre Häuser, die ohne Wasser und Strom sind. Wir sind zum Helfen ausgebildet und zurzeit sind wir vor allem damit beschäftigt, den Zugang zum Gebiet zu kontrollieren. Wir könnten viel mehr machen, aber die noch immer lauernden Gefahren verunmöglichen leider weitere Hilfeleistungen. Unter anderem sind wir noch dreimal am Tag für die Verpflegung der rund 90 hier im Einsatz stehenden Personen zuständig.»

Bundesrat Guy Parmelin zeigte sich vom Ausmass der Naturkatastrophe, der komplexen Koordinationsleistung unter den beteiligten Akteuren und der Motivation der Armeespezialisten im Einsatz sehr beeindruckt. Gemeinsam mit Regierungsrat Christian Rathgeb traf er anschliessend mit der lokalen Behörde zusammen. Alle sind sich einig, dass die grösste Herausforderung die dauerhafte Koordination der Arbeiten auf den verschiedenen Ebenen der Gemeinde, des Kantons und des Bundes sein wird. Auf Vorschlag von Anna Giacometti, der Gemeindepräsidentin von Bregaglia, traten auch die Vertreter von Bund und Kanton mit einer Jacke mit dem Aufdruck «Bondo per amore» vor die anwesenden Medien. Die Jacke wird ihm Rahmen einer Spendenaktion zur Unterstützung der betroffenen Bevölkerung verkauft.

Quelle: Schweizer Armee

Bilder ZVG: Schweizer Armee

2.10.2017