Der Biber – ein neuer Bewohner in Zofingen

Der Biber ist eine national geschützte Tierart und war viele Jahre ein seltener Gast. Heute hat sich der Bestand im Mittelland erholt. Seit Neuestem ist auch in Zofingen ein Biber aktiv. Biber sind faszinierende Tiere, sie verursachen aber im Siedlungsgebiet Konflikte und Schäden, insbesondere dann, wenn sie, wie in den vergangenen Tagen in Zofingen, Bäume in privaten Gärten fällen.

In Zofingen ist seit der Ausrottung im 19. Jahrhundert erstmals ein Biber im Altachenbach aktiv. Obwohl Renaturierungsmassnahmen die Lebensraumvielfalt auch für den Biber gefördert haben, sind die Voraussetzungen für eine langfristige Ansiedlung aber kaum gegeben. Dafür ist der Uferbereich zu wenig breit und es fehlen ein Gehölzsaum und entsprechende Vegetation. Darum bedient sich der Biber nun vorzugsweise an den Weichhölzern (Weiden, Pappeln) in den am Bach angrenzenden privaten Gärten. Diese Situation bereitet den Betroffenen verständlicherweise keine Freude.

Bis sich der Biber allenfalls einen attraktiveren Aufenthaltsort sucht, sollten die Anwohnerinnen und Anwohner am Altachenbach zum Schutz ihrer wertvollen Einzelbäume Massnahmen ergreifen. Der Baumstamm sollte mit einem Drahtgitter (Diagonalgitter, 6-Eckgitter) ab Boden bis in eine Höhe von mindestens einem Meter umwickelt werden. Das Gitter ist gut im Boden zu verankern.

Die natürliche Umgebung ist nicht nur für den Biber wichtig, sondern sie ist auch Lebensraum der Menschen. Im stark genutzten Siedlungsraum sind Konflikte nicht immer zu vermeiden und Interessenabwägungen werden dabei notwendig. In Zofingen wird sich zeigen, ob und wie ein Zusammenleben möglich ist.

Der Biber wurde Anfang des 19. Jahrhunderts durch intensive Bejagung in der Schweiz ausgerottet. Mit bundesrätlichen und kantonalen Bewilligungen wurden zwischen 1956 und 1977 an über 30 Stellen insgesamt 141 Biber wieder ausgesetzt. Der Biber ist seit 1962 eine national geschützte Tierart und deshalb vor Tötung, Verletzung oder vermeidbaren Störungen zu bewahren. Nicht nur das Tier, sondern auch seine Bauten stehen unter Schutz. Seitdem hat sich der Biber ausgebreitet und besiedelt heute die grossen Mittellandflüsse und Seen. Der Bestand in der Schweiz ist in drei Populationen aufgeteilt, welche an unterschiedliche Gewässereinzugsgebiete gebunden sind: Rhein, Rhone und Inn. 2015 wird der Bestand auf rund 2800 Biber geschätzt. Während der letzten Jahre hat der Biber immer mehr auch kleinere Seitenbäche besiedelt.

Der Biber ist ein faszinierender Landschaftsgestalter an Gewässern, von dem zahlreiche Tier- und Pflanzenarten profitieren. Amphibien, wasserlebende Insekten und Larven, Fische, Libellen und Vögel gehören dazu. Wo immer Biber auftreten, entsteht neues Leben. Sein Schutzstatus ist kein zufälliger Schutz einer einzelnen Art, sondern Hilfe für ganze Lebensgemeinschaften. Umgekehrt sorgt der Biber durch seine unermüdlichen Aktivitäten für Konflikte mit dem Menschen; beispielsweise durch das Fällen von Bäumen in Uferwäldern und privaten Gärten, das Unterhöhlen von Dämmen und Wegen, das Stauen von Gewässern und in der Folge das Überschwemmen von Kulturland und Fluten von Drainagesystemen und Kellern oder auch durch Frassschäden an Zuckerrüben- und Maiskulturen.

Der Kanton Aargau will mit Bibern nachhaltig umgehen. Einerseits werden der Nager und seine Lebensräume geschützt und gefördert, anderseits sollen Konfliktsituationen entschärft und grosse Schäden vermeiden werden. Die Jagd- und Fischereiverwaltungen der Kantone sind für den Vollzug des Biberschutzes verantwortlich. Sie analysieren und diskutieren Problemfälle und koordinieren notwendige Massnahmen. Trotz Präventionsmassnahmen wird es nicht möglich sein, Biberschäden vollständig zu verhindern.

Weitere Informationen erhalten die Betroffenen vom Biberverantwortlichen des Kantons Aargau. Der Biologe Andres Beck ist bei Konfliktsituationen für Beratungen zuständig.

Kontakt: andres.beck@gmx.ch, 056 426 19 76

Quelle: Stadt Zofingen

Quelle Video: SRF

21.12.2016