Militärköche liessen sich in den Topf blicken

Wie so vieles in der Gesellschaft hat sich in den letzten Jahren auch die Verpflegung der Truppe geändert. Der Schweizerische Verband der Militärküchenchefs und der Küchencheflehrgang des Lehrverbandes Logistik haben an einem Forum ihre Vorstellungen zur Armeeküche der Zukunft präsentiert.

Es dampfte und roch aus vielen Töpfen, als am Montag, 23. Oktober, in Thun Schweizer Militärköche Besuchern aus Armee, Gastronomie und Bildungsinstitutionen Einblick in die Truppenverpflegung der Zukunft gaben. Sie befassten sich am dritten Forum der Militärküchenchefs mit zentralen Fragen wie dem Einbezug von Frauen in die Militärküche oder der Suche nach alternativen Rohstoffquellen. Das Ausbildungszentrum Verpflegung bildet in Thun Küchenchefs und  Truppenköche aus, rund 1000 belegen pro Jahr die Lehrgänge. Die Aufgabe ist klar: Die Köche müssen das Grundbedürfnis der im Einsatz stehenden AdA nach Essen und Trinken decken, und dies nach dem Motto «gut, genügend und gesund». Im Jahr werden laut Oberstleutnant Michael Graf, Kommandant Küchencheflehrgang, 13 Millionen Mahlzeiten zubereitet, nicht selten unter erschwerten Bedingungen auf dem Feld. Die Gemeinschaftsverpflegung in der Armee ändere sich zusehends, so Graf weiter. So stünden neben Spatz und Ravioli hausgemachte Pizza und Hamburger auf dem Menuplan.

Ausbildung steht im Zentrum

Graf betonte die Bedeutung einer guten Ausbildung. Es gehe darum, die besten Nachwuchskräfte in die Armeeküchen zu holen. Dafür seien das Forum der Militärküchenchefs wie auch die Auftritte der Nationalmannschaft der Schweizer Militärküche – des Swiss Armed Forces Culinary Teams – eine wichtige Basis. «Wir müssen die Attraktivität des militärischen Kochens steigern», zeigte sich Graf überzeugt. Man müsse aufzeigen, dass die Tätigkeit zwar mit harter Arbeit verbunden sei und Durchhaltevermögen brauche. Aber man erhalte auch viel zurück.  «Wir haben Spass, an dem was wir machen, und können den AdA eine grosse Freude bereiten.»

Korpskommandant Daniel Baumgartner, Kommandant Heer und designierter Chef Kommando Ausbildung, hielt fest: «Unsere Soldaten müssen genug Kalorien für die Erfüllung ihrer Aufgaben erhalten.» Deshalb spiele die Küche eine zentrale Rolle im Dienst. Die Köche seien die ersten, die am Morgen aufstehen, und die letzten, die am Abend ins Bett gehen. Doch der Lohn sei dafür umso grösser: «Wenn Sie unerwartet um Mitternacht ihren Kameraden eine Zwischenverpflegung zubereiten müssen, werden Sie mit strahlenden Gesichtern entschädigt. Sie stehen für Ihre Kameraden ein.» Das Kommando Ausbildung wolle die Ausbildung verbessern und die Miliz mit genügend und guten Spezialisten alimentieren. «Schaffen Sie Anreize, dass sie in unsere Küchen kommen wollen», und dies trotz der vielen Optionen, vor welchen die Jugendlichen heute stehen, hielt Baumgartner fest.

Mehr Frauen in den Militärküchen

Sie könnte so eine neue Hoffnungsträgerin sein: die Auszubildende Bettina Marti. Anlässlich einer Diskussion warben die ausgebildeten Köchinnen Maya Hochstrasser (37) und Rebecca Pigoni (28) für den Beruf. Frauen in den Küchen von Restaurants gehörten immer mehr zum alltäglichen Bild. Es irritiere heute kaum mehr jemanden, wenn eine Frau in der Küche das Sagen habe. Marti schilderte, wie ihr oft ein negatives Bild vom Militär vermittelt worden sei, auch habe sie sich bisher nicht genügend informiert gefühlt. Aber an diesem Tag habe sie die Möglichkeit erhalten, sich Wissen anzueignen und den Verantwortlichen Fragen stellen zu können. «Ich werde es mir nun überlegen und dann entscheiden, ob die Armee für mich eine Option ist.» Sie würde es begrüssen, sagte die Glarnerin, wenn junge Frauen schon früher mit den Möglichkeiten, die ihnen die Armee biete, in Kontakt zu kämen.

Mit der Zukunft der Armeeverpflegung befasst sich auch Stabsadjutant Reto Walther, Chef Fachbereich Verpflegung. Die Armee sei mit Themen wie Energieriegeln, Nahrungsmittelergänzungen und Instant-Menus konfrontiert. Die Militärküche von heute müsse vielseitig sein und sich mit modernen Ernährungstrends beschäftigen. «Auch wenn sie sich ständig ändern, die Trends werden bleiben, und wir müssen sie berücksichtigen.» Das Forum befasste sich mit einigen dieser Trends. So zeigte die Bündner Naturköchin Rebecca Clopath den Teilnehmern auf, was man alles mit Wildpflanzen und Kräutern herstellen kann. Nicht nur, dass sie schmackhaft seien, sie förderten auch Gesundheit und Wohlbefinden, «vor allem Vitamin C ist ein grosses Thema.» Beeindruckt waren die Zuschauer auch von den Ausführungen von Foodunternehmer Christian Bärtsch, der ihnen Insekten als alternative Proteinquelle vorschlug. Er warb für Speisen aus Heuschrecken, Grillen und Mehlwürmern – seien sie aufgespiesst oder als Brotaufstrich. Insekten seien als Rohstoff günstig, ökologisch, nahrhaft und letztlich auch lecker. Von Letzterem konnten sich die Besucher des Forums an schliessend anlässlich einer Degustation überzeugen. Ob Insekten jedoch jemals einen Platz in der Militärküche finden werden? Auf diese Frage hatte am Forum der Militärküchenchefs noch niemand eine klare Antwort.

Quelle: Schweizer Armee

Bilder: ZVG Schweizer Armee

26.10.2017

Forum der Militärküchenchefs