Urban Farming – Mehr Fisch und Gemüse dank intelligenter Steuertechnik

Urban Farming Basel

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Bild ZVG Urban Farming Basel

Die Fachhochschule Nordwestschweiz will das Aquaponic-Konzept weiterbringen: Gemeint ist damit die Ernte von Fisch und Gemüse.

Die Idee ist einfach und uralt: Der Mensch hält Tiere, deren Kot düngt Felder. Am Schluss erntet der Bauer die Früchte des Feldes und schlachtet die Tiere – eine Kreislaufwirtschaft.

Wenn man das aber im eigenen Garten machen will, und wenn die Tiere Fische sind, dann wird die Sache komplizierter. Unter dem Begriff «Aquaponic» werden seit mehreren Jahren Anlagen realisiert, die Fischhaltung und Gemüseanbau kombinieren. Entwickelt wurde das Ganze in der Region Aargau Solothurn.

Die Fische werden in Tanks grossgezogen. Ihre Ausscheidungen gehen mit dem Wasser in Gemüsekulturen, wässern und düngern diese. Anschliessend geht das Wasser – gereinigt durch die Pflanzen – zurück in den Fischtank. Die Anlage steht unter einer Kuppel, sie ist also eine Art Treibhaus.

Komplexe Zusammenhänge

Die Schwierigkeit dabei: Eine Vielzahl von Parametern muss perfekt aufeinander passen. Unter anderem Luft- und Wassertemperatur, Säuregehalt des Wasser, Luftfeuchtigkeit, Sonneneinstrahlung, Sauerstoffgehalt des Wassers. Bis anhin musste der Betreiber einer solchen Anlage diese jeden Tag mehrmals kontrollieren und verschiedene Messungen vornehmen.

Die Fachhochschule Nordwestschweiz hat nun eine Steuerung entwickelt, die eine Aquaponic-Anlage automatisch überwacht. Wenn es zu heiss wird, öffnet sie Fenster im Treibhaus, wenn es zu kalt wird, heizt sie das Wasser im Fischtank. Natürlich steuert die Anlage auch die Fütterung der Tiere und sie merkt, wenn sie Sauerstoff ins Wasser geben muss.

Technik handelt wie der Mensch

Kurz: Die Anlage tue das, was auch der Mensch tun würde, sei sei intelligent, sagt Jürg Keller, Professor für Regelungs- und Steuerungstechnik an der Fachhochschule Nordwestschweiz (FHNW) gegenüber SRF: «Die Steuerung basiert auf vielen Sensoren. Und sie hat eine clevere Logik, um all die verschiedenen Sachen unter einen Hut zu bringen.»

Ein weiterer Vorteil des neuen Systems der FHNW: Die Steuerung lässt sich fernbedienen. Und das System schickt auch Alarme, wenn sich ein Wert negativ verändern sollte. «Heute, mit dem Internet of Things, kann man von überall her auf die Anlage zugreifen. Wir haben das auch so gemacht, dass es sicher ist, es kann also niemand die Anlage manipulieren», sagt Jürg Keller.

Die FHNW testet ihre Steuerung nun in einer Pilotanlage in Niederlenz. Sie hofft, dass das Aquaponic-Konzept dadurch neuen Schub erhält. Bis jetzt haben die Anlagen den Durchbruch nämlich nicht geschaft, weil sie komplex sind und viel Kontrollaufwand benötigen.

Für Anlagen im industriellen Stil sei die Steuerung der FHNW aber nicht gedacht, betont Professor Jürg Keller. Auch nicht für den Einsatz im kleinen Schrebergarten. «Unsere Steuerung ist gut geeignet zum Beispiel für ein Hotel, das den Gästen selber gezogene Fische und selber gezogenes Gemüse offerieren will.»

Quelle: SRF

16.10.2017

Fische

In Aquaponic-Anlagen kann man keine Forellen oder Lachse züchten. Diese Fische brauchen kaltes Wasser mit viel Sauerstoff. Das Wasser in Aquaponic-Anlagen ist aber warm und arm an Sauerstoff. Vor allem Weissfische wie Karpfen gedeihen darin. Nach Angaben der FHNW lässt sich eine mittelgrosse Aquaponic-Anlage für ca. 10'000 Franken bauen.